Kampf des Negers und der Hunde 
von Bernard-Marie Koltès

WLB Esslingen, Premiere am 19. 03. 2010

Die afrikanische Kultur, in der Solidarität und Brüderlichkeit mehr zählen als Individualismus und Egoismus, stellt Koltès als der europäischen überlegen dar. Ihre Ursprünglichkeit und Ganzheitlichkeit ist noch nicht dem Prinzip der Rationalität zum Opfer gefallen, in der Gefühle keinen Platz mehr haben. Europa als Baustelle einer Gesellschaft die aus Angst vor Machtverlust verzweifelt versucht, Kontrolle über das Weltgeschehen zu behalten. Eine Baustelle, die in meiner Inszenierung zum Gefängnis der weißen Arbeiter in einem fremden Land wurde, da jeder jedem misstraut. Die seit Jahrhunderten bestehende Hierarchie muss als unüberwindbare Kluft zwischen den zwei Kulturen betrachtet werden: Korruptheit als Vorwurf an die afrikanische Bevölkerung bringt Afrika als Kollektiv der Wut zum Vorschein das sich durch diese Demütigung dazu gezwungen sieht Rache an der europäischen Gesellschaft auszuüben. Feindschaft als ein Naturzustand, der keiner weiteren Begründung bedarf. Die Tragik des Stückes liegt in der Unausweichlichkeit des Kampfes, aus dem sich niemand heraushalten kann – in jeder Begegnung ist der andere Gegner und Feind und entscheidend ist nur, dass man ihm beim Übergang von Aggression zu Gewalt zuvorkommt. Drei Weiße gegen einen Schwarzen und nicht minder gewichtig: drei Männer gegen eine Frau. Die Frau als weiße Negerin. Léone bleibt trotz ihrer aufkeimenden Liebe für Alboury dem europäisch-kapitalistischen Denken verhaftet, wenn sie den Schwarzen zum Kompromiss drängt, das Geld zu nehmen und den Konflikt ruhen zu lassen. Sie verliert ihre Ehre sowohl vor Horn, als auch vor Alboury. Mit dem Regie- und Bühnenkonzept haben wir die Entscheidung getroffen aus der westlichen Perspektive zu erzählen, denn dieses Stück, so wie es in Europa aufgeführt wird kann nur aus dieser, unserer eigenen Perspektive erzählt werden. So wurde die Bühne selbst als Baustelle und gleichzeitig Gefängnis und Machtschauplatz der Weißen konzipiert, während der Zuschauerraum zu Albourys Revier erklärt wurde. Als dunkles, undurchschaubares, gefährliches Afrika außerhalb der Baustelle, das wilde Afrika, das dennoch von europäischen Zuschauern und europäischen Arbeitern besetzt wird, in dem Alboury ein Störefried ist und zum unerwünschten, immerwiederkehrenden, gegen Ungerechtigkeit demonstrierenden Feindbild wird. Der Reiz dieser Arbeit lag in der Thematik, die aus Angst vor Identitätsverlust entstehende Selbstvernichtung aller vier Charaktere, aus deren subjektiven Perspektive zu erzählen.

 

Regie: Anna Katharina Winkler

Ausstattung: Markus Wagner

Musikalische Komposition: Friederike Bernhardt

Mit: Nadine Ehrenreich (Léone), Niko Eleftheriadis (Alboury), Ralph Hönicke (Horn), Stefan Wancura (Cal)

 


 

 


 

Trailer KAMPF DES NEGERS UND DER HUNDE