Tropfen auf heisse Steine 
von Rainer Werner Fassbinder  

Kulturelles Stadtlabor PALAIS KABELWERK, Premiere: 10. April 2013.

Der beruflich erfolgreiche Leopold spricht den blutjungen Franz auf der Straße an und lädt ihn zu sich ein. Obwohl Franz mit seiner Verlobten Anna verabredet ist, kann er aus Neugier und Reiz dem älteren Mann nicht widerstehen und lässt sich von ihm verführen. 6 Monate später: es entsteht eine gemeinsame Lebenswelt. Leopold ist viel unterwegs, während Franz die häuslichen Pflichten übernimmt. Die Beziehungsdynamik ist von Macht und Unterwerfung, von Illusion und (finanzieller) Abhängigkeit geprägt. Die Lust aufeinander schwindet, aus Intimität entsteht wieder Einsamkeit.

So wie sich selbst setzt Fassbinder seinen Figuren am Ende keine (sexuellen) Grenzen: er holt die Vergangenheit von Franz und Leopold in personifizierter Form von Anna und Vera ins Wohnzimmer. Die Würfel werden neu geworfen. Ein neues Abenteuer beginnt. Faszination, körperliche Erregung und Rücksichtslosigkeit verselbstständigen sich. Das furiose Finale sprengt die Enge des Wohnzimmers und entwirft eine Vision.

 

4 Menschen spinnen Netze und 4 Träume formen einen Raum.

Fassbinder meets quersinn. Wir finden einen neuen Anfang und mischen die Karten. Wir kreieren Räume und definieren sie im Moment. Wir überschreiten Grenzen, indem wir die Rollen umkehren. Zwei Frauen wie Leopold und Franz, zwei Männer wie Anna oder Vera. Abwechselnd halten sie die Zügel in der Hand und führen die anderen durchs Spiel. Wir zerreißen die Klüfte zwischen Ohnmacht und Macht, Alter und Jugend, Liebe und Grausamkeit. Wir sind homo-, hetero-, bi- und transsexuell. Wir erzählen eine Geschichte, die einen Weg aus der uns in die Enge treibenden Verstrickung genormter Beziehungen sucht. Who fits? Who fucks? Und wer sind WIR, wenn wir FASSBINDER sind?

 

"...Weil man beim Spiel die Menschen am besten kennenlernt." R.W. Fassbinder

„Es ist besser, für das, was man ist, gehasst, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden.“ (André Gide)

„Baby/ Das sag ich zu der alten Nutte/ Die mir seit der Pubertät im Hirn rumfickt/ herrlich Baby/ sie sieht dir so ähnlich wie ein Hund seinem Schwanz/ wenn ich sie zu fassen krieg/ bei dir Baby/ wunderbar/ dann werden meine Poren zu Löchern/ und mein Schweiß wird/ nach Penis und Sperma riechen/ und nach dir/ Baby/ und nach dir“ (Ludwig Fels)

„Und so gern ich dich halten will und keine Umarmung lösen will und keinen Blick abwenden will, so sehr weiß ich, dass du mich nicht halten kannst. Und so dreh ich mich um, wenn ich weine und so dreh ich mich um, weil ich mich nackt vor dir fühle und so dreh ich mich um, weil ich dich liebe.“ (anonym)

 

Regie: Anna Katharina Winkler
Bühne: Michael Haller
Produktion: Verein Quersinn

Mit: Katharina Vana, Ines Rössl, Michael Haller, Alexander Lainer

 


 

 


 

Trailer